Das Wichtigste in Kürze

  • Der W3C-Schnelltest umfasst unter anderem Tastaturbedienung, Zoom, Kontrast, Alt-Texte und Formularbeschriftungen; er ist ausdrücklich eine Erstprüfung und keine abschließende Bewertung.
  • Automatische Tests erkennen, ob ein Alt-Attribut fehlt, aber nicht, ob der Alt-Text zum Bild passt.
  • Der Lighthouse-Wert für Barrierefreiheit ist ein gewichteter Durchschnitt aus bestandenen und nicht bestandenen Einzelprüfungen; manuelle Prüfungen fließen nicht ein.
  • Ob das BFSG für Ihren Betrieb gilt, hängt vom Einzelfall ab und ist eine andere Frage als die technische Prüfung.

Was „Barrierefreiheit prüfen“ bedeutet

Das W3C beschreibt auf der Seite Preliminary Review eine schnelle, informelle Erstprüfung, die jeder selbst machen kann. Die Prüfungen sind laut W3C schnell und einfach, aber nicht endgültig gedacht. Eine Seite, die sie besteht, kann trotzdem erhebliche Barrieren haben. Für eine umfassende Bewertung verweist das W3C auf eine eigene Methode (WCAG-EM) und eine gründlichere Prüfung.

Dieser Artikel zeigt deshalb zwei Wege, die sich ergänzen: den Rundgang von Hand und den automatischen Test. Welche Fehler der kostenlose Barrierefreiheits-Check findet, steht auf der Werkzeugseite; hier geht es um die Anleitung.

WegDas findet er gutDas findet er nicht
Rundgang von HandOb Sie die Seite mit der Tastatur bedienen können, ob Text beim Vergrößern lesbar bleibt, ob Beschriftungen sinnvoll klingenFehler, die Sie nicht bemerken, etwa weil Sie die Seite gut kennen oder keine Vorlese-Software nutzen
Automatischer TestFehlende Alt-Attribute, Formularfelder ohne Beschriftung, fehlende Sprachangabe, ÜberschriftenstrukturOb ein Alt-Text zum Bild passt, ob der Ablauf mit Vorlese-Software logisch ist
Prüfung durch FachleuteBeides zusammen, dazu Abläufe wie Bestellung oder BuchungSie kostet Zeit und Geld und ist für eine erste Einordnung nicht nötig

Der Rundgang von Hand: fünf Dinge zum Ausprobieren

Nehmen Sie sich Ihre Startseite und eine Seite mit Formular vor. Die folgenden Schritte stammen aus den Schnelltests des W3C (Easy Checks und Preliminary Review).

  • Tastatur: Legen Sie die Maus weg und bedienen Sie die Seite nur mit Tab und Umschalt+Tab. Erreichen Sie jeden Link, jeden Knopf und jedes Formularfeld? Sehen Sie immer, wo Sie gerade sind (sichtbarer Fokus)? Bleiben Sie nirgends hängen?
  • Zoom: Vergrößern Sie den Text auf etwa 200 Prozent. Bleibt alles lesbar, ohne dass Text abgeschnitten wird, sich überlappt oder Sie seitlich scrollen müssen? Auch die WCAG verlangen, dass sich Text auf 200 Prozent vergrößern lässt, ohne dass Inhalt oder Funktion verloren gehen (WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.4).
  • Kontrast: Hebt sich Text deutlich vom Hintergrund ab, auch grauer Text und Text auf Fotos? Für normalen Text nennt die WCAG ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 (Erfolgskriterium 1.4.3).
  • Alt-Texte: Haben Bilder, die etwas mitteilen, eine kurze Beschreibung, und haben rein dekorative Bilder einen leeren Alt-Text? Wie Sie gute Alt-Texte schreiben, steht im Ratgeber Alt-Texte schreiben.
  • Formulare: Hat jedes Feld eine sichtbare Beschriftung, sind Pflichtfelder gekennzeichnet und sind Fehlermeldungen verständlich?

Automatische Werkzeuge: was sie finden und was nicht

Googles Lighthouse bewertet die Barrierefreiheit einer Seite mit einem Wert. Laut Lighthouse-Dokumentation ist das ein gewichteter Durchschnitt aus einzelnen Prüfungen, die jeweils bestanden oder nicht bestanden sind; fehlen zum Beispiel bei einem Teil der Knöpfe die Namen, gilt die ganze Prüfung als nicht bestanden. Manuelle Prüfungen fließen in den Wert nicht ein.

Das W3C weist darauf hin, dass automatische Tests erkennen, ob ein Alt-Attribut fehlt, aber nicht, ob der Text zum Bild passt. Das müssen Sie selbst anschauen. Ein hoher Wert heißt deshalb nicht, dass die Seite barrierefrei ist; er heißt, dass die automatisch prüfbaren Punkte in Ordnung waren.

Was der Barrierefreiheits-Check prüft und was nicht

Der Barrierefreiheits-Check der Webagentur Scherzinger verbindet Lighthouse (axe-core) mit eigenen Prüfungen: Alt-Texte, Formular-Labels, Sprache der Seite, Überschriften, Landmarks, ARIA und weitere Punkte. Er arbeitet kostenlos und ohne Anmeldung. Lighthouse bewertet dabei nur die Startseite; die eigenen Prüfungen laufen über bis zu 25 Seiten.

Was er nicht kann: beurteilen, ob Alt-Texte inhaltlich passen, ob alle Abläufe mit Tastatur und Vorlese-Software funktionieren, und ob PDFs oder Videos zugänglich sind. Der Check prüft Hinweise, er ersetzt keine Prüfung durch Fachleute und trifft keine Aussage dazu, ob Ihre Seite einem Gesetz oder einer Norm entspricht. Die Punkte aus dem Rundgang bleiben also Ihre Aufgabe.

Gilt das BFSG für meine Website?

Das ist eine andere Frage als die technische Prüfung. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt nach § 1 BFSG unter anderem für Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, die nach dem 28. Juni 2025 für Verbraucher erbracht werden; für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, enthält § 3 BFSG eine Ausnahme. Ob sie auf Ihren Betrieb zutrifft, ist eine Einzelfallfrage und keine Rechtsberatung dieses Artikels. Eine Einordnung für Handwerksbetriebe finden Sie im Ratgeber BFSG für Handwerker.

So gehen Sie vor

  • Rundgang von Hand machen und Auffälligkeiten notieren.
  • Den Barrierefreiheits-Check für Ihre Adresse laufen lassen und die Befunde mit Ihren Notizen vergleichen.
  • Einfache Punkte zuerst beheben: Alt-Texte, Formularbeschriftungen, Kontraste, Seitensprache.
  • Danach erneut prüfen, damit Sie sehen, ob die Änderung gewirkt hat.
  • Für Abläufe wie Buchung oder Bestellung, oder wenn Sie eine belastbare Aussage brauchen, eine Prüfung durch Fachleute einplanen.

Häufige Fragen

Wie prüfe ich, ob meine Website barrierefrei ist?

Machen Sie zuerst den Rundgang von Hand (Tastatur, Zoom, Kontrast, Alt-Texte, Formulare) und lassen Sie danach einen automatischen Test laufen. Das ergibt einen guten ersten Überblick. Eine vollständige Aussage, ob die Seite barrierefrei ist, liefern beide zusammen nicht.

Reicht ein automatischer Test wie Lighthouse?

Nein. Er erkennt zum Beispiel ein fehlendes Alt-Attribut, aber nicht, ob der Text zum Bild passt, und er kann nicht beurteilen, ob sich die Seite sinnvoll per Tastatur bedienen lässt.

Ist der Barrierefreiheits-Check ein BFSG-Check?

Nein. Er prüft technische Hinweise auf typische Barrieren. Ob das BFSG für Ihren Betrieb gilt und ob Ihre Seite die Anforderungen erfüllt, sagt er nicht. Das klären Sie im Einzelfall, etwa mit Ihrer Kammer.

Was kann ich ohne Technikwissen prüfen?

Fast den ganzen Rundgang: Tastatur bedienen, Text vergrößern, auf Kontrast und Bildbeschreibungen achten und Formulare ausprobieren. Dafür brauchen Sie nur einen Browser.

Quellen

  1. W3C WAI: Easy Checks, a First Review of Web Accessibility abgerufen am 02.11.2026
  2. W3C WAI: Preliminary Review of Websites for Accessibility abgerufen am 02.11.2026
  3. W3C: Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 abgerufen am 02.11.2026
  4. Chrome for Developers: Lighthouse Accessibility score abgerufen am 02.11.2026
  5. § 1 BFSG – Anwendungsbereich (gesetze-im-internet.de) abgerufen am 02.11.2026
  6. § 3 BFSG – Barrierefreiheitsanforderungen (gesetze-im-internet.de) abgerufen am 02.11.2026

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